Ratlos im Rathaus

Gutgebautes Arroganzpotential, den Nußknacker im Anschlag, kriegt man schon auf das Ding, aber dieser Gedanke zieht mit der Touristengruppe vorbei, ist auch nicht mehr zeitgemäß und darüberhinaus auch nur einer für alte Männer. Die kalte Halle hat schon ehrwürdigeres gesehen, schwarze Roben, weiße Krägen, zumeist Bartträger, heute würde das vielleicht auch funktionieren.

Fremdländisch aussehende Neger, wahrscheinlich in Bahrenfeld geboren, schauen einher und bewundern den Reichtum, offen zur Schau gestellt, eigentlich unverschämt, denn wer hat dafür nicht alles bluten und sterben müssen, womöglich sogar verhungern oder verdursten; im Hintergrund plätschert ein güldener Wasserspender, ein Bogen, Muschelform und aus dem Gesicht eines Fauns(?) plätschert das Wasser, die Bediensteten füllen dort ihre Trinkflaschen auf und denken sich nichts dabei.

Gedankenspiele gehen vorbei, kein Raspberry, dafür ein blaues Baret, das Kribbeln in den Gonaden, nicht umsonst der körperliche Gegenpol zum Hirn, Biologie am Limit, wenn nicht jetzt, wann dann, bald nur noch tröpfelnde Begegnung in der Nacht. Immer wieder. Wahrscheinlich kehrt da nie richtig Ruhe ein, man erinnere sich an Charles Chaplin. Die Mannschaft tauscht, einmal im Spiel, dann wieder auf der hölzernen Bank, welche die mächtigen Säulen umrunden. Aufsteller, immer wieder wichtige Informationen, gestern, heute und morgen, es ist in Bewegung, nichts bleibt wie es ist, alles fließt, nur die Decke nicht. Zum Glück.

An den Wänden hängen die Portraits der Volksvertreter. Die Nazis sind wieder dabei, man hätte sie fast vermissen können, markige Worte, schwachsinnig von Schwachsinnigen vorgetragen, den Neger hätten sie den Zutritt verwehrt, aber vielleicht kommt das ja noch. Ich schreibe ‚Neger‘ um euch Phillister zu ärgern, aber in Wirklichkeit gibt es sowas nicht. Neger nicht und Menschen nicht. Aber Nazis, die gibt es und ich werde sie nicht ins Nichts einbeziehen – zuviel der Ehre.

Das Restaurant soll gut sein. Gäbe es dort nur minderwertige Verköstigung, hätte es hier mit Sicherheit keinen Platz gefunden. Noch stehen die Stühle auf den Tischen, upside down, die Türen jedoch geöffnet – Transparenz aller Orten hier.
Dümmliches Grinsen der Selfie-Fraktion.

Aber mein Arsch schmerzt, die hölzernen Bänke sind unnachgiebig in ihrer Härte, ich gehe und beim nächsten Mal werde ich entsprechend gestimmt zurückkehren, freundlich und Zuversicht in die Menschheit.

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