„Wir sind alle Ausländer im Ausland“

Ohne sich komplett lächerlich zu machen, kann man nur noch in Zitaten schreiben, wobei das Praktische daran ist, daß schon alles einmal irgendwie gesagt wurde. Man könnte also so eine Art Baukasten benutzen, um Seite um Seite zu füllen. Oder es dreht sich alles nur noch um die eigene Person. Also genau das, was wir so normalerweise im sogenannten Alltag machen. So will ich denn also auch verfahren.

Daß ich jetzt in diesem Moment in die Tasten greife, zeigt mir zum wiederholten Mal, daß ich in der Bedeutungshölle angelangt bin. Der Ort, an dem wir uns alle einfinden, um eine Geschichte über uns zu erfinden, damit wir das nicht in Bedeutung auszudrückende Dasein ertragen können; denn was sollte das ganze Leiden in unserer Lebensspanne schon anderes aussagen, als das es mit unserer Person zu tun haben muß. Also wäre ich gerne ein Intellektueller mit Pinsel oder Schreibmaschine, aber ich bin es nicht. Ein Peter Sloterdijk womöglich, dicker Schnörres und viele Bücher gelesen, die man klug zitieren und dann eigene Weisheiten absondern kann. Oder so ein Gerhard Richter in seinem ruhigen Millionenscheffeln.

Jedoch niemand ist so. Alles Ergebnis meiner kindlichen Verletzungen und jugendlicher Abgrenzungsstrategien. Make belief. Dafür sind dann die boesner Kunstbedarfshandlungen reich geworden, an dieser, meiner Idiotie. Jetzt ist es aber auch nicht besser – mit fast fünfzig Jahren suche ich immernoch nach Erlösung von dieser Welt, die im Großen und Ganzen als ein grausamer Ort des Leidens daher kommt. Alle Fixgrößen stammen aus meiner Vorstellung: meine Vergangenheit, meine Motivationen und Handlungen. Das wäre kein Problem, wenn ich mich nur irgendwie von meinen Illusionen überzeugen könnte. Aber mit jedem Versuch der Eigendefinition taucht ein kritischer Kommentar mit Querverweisen dagegen auf. Ich bin nicht, weil ich weiß, daß ich nicht sein kann. Jemand, der nicht ist, kann auch keine Ziele haben, ergo bricht der Plot der „Heldenreise“ in sich zusammen. Beobachtend kann ich nichts ernst nehmen, leide aber trotzdem an den realen Auswirkungen unserer illusionären Lebensauffassung. Die wenigsten würden zugeben, daß sie lediglich eine Erfindung ihrer selbst sind. Die meisten halten sich für das, was sie über sich oder andere über sie sagen.

Meine Motivationen zur Teilnahme am Irrsinn sind nur vorgetäuscht. Wenn ich muss, heuchele ich Interesse. Denn ohne Interesse oder Motivation gibt es kein Geld und somit keine Lebensgrundlage.

Gerade bin ich ein Geheimagent.

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