Spätheimkehrer

Die Gefühlswelt brodelt unter dem Deckel, kleinste Nano-Nadeln rauschen durch die Adern, auf dem Gesicht ein Rudel Meerschweinchen, richtig atmen kann ich damit auch nicht, gelegentliche Blicke auf die Uhr. Kämpfe gegen die Zeit – Mitternacht, Geisterstunde, neuer Tag, ganz früh.

Natürlich muß das alles so sein, Selbständigkeit, eigene Erfahrung, Kontakt mit neuen Ansichten und Drogengenuß, irgendwann auch mal das Geschlechtliche, aber davon wird mir jetzt anders und tauche meine gottlose Brotluke lieber in das neben dem Bett stehende Heißgetränk. Schon lau. Seelenwärmen geht anders.

Mann sitzt im Bett und draußen scheint der Mond durchs Fenster.

Es ist ein schlechter Handel mit der Fürsorgepflicht, vergessen sind die Bemühungen um gesunde Ernährung (alles Bio!), vernünftigen Umgang, Vermittlung :realistischer Risikoeinschätzung, besonders bei der Begegnung mit Bäumen zwecks Aufstieg und geschicktem Einsatz des Denkapparates. Relativierende Erklärung der Institution Schule. Hätte ich gut gebrauchen können, war aber damals nicht so angesagt. Überhaupt ist heute alles besser. Mobilfunkgeräte. Die lange Leine. Aber nur für den Notfall. Big Brother soll in Nordkorea bleiben und Cognac trinken.

Müdigkeit klipst Tischdeckengewichte, für den Sommer, für Draußen, in Form von Kirschen, an meine Lider. Das Augenwasser hält sich nicht an seine natürliche Begrenzung und ich reibe an den Bindehäuten herum. Das macht quietschende Geräusche. Muß man mögen. Irgendwo in der Stadt detonieren Sprengkörper, der Dom, bestimmt und nicht auf die Russen. Dann doch lieber besoffen nach Hause und alles vollkotzen.

Jetzt ist es an der Zeit für die Zahnhygiene. Im Spiegel erscheint mir Stan Laurel. Ein sicheres Indiz fürs Abdanken. Ich werde mich wohl verlassen müssen, Abgabe der Kontrolle an der Garderobe, gute Nacht Freunde. Keine Zigarette und auch kein Glas; die Tasse mit dem Heißgetränk ist so leer wie ich.

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