Grand day out

Bevor das Tastenkästchen wieder an die Verstromung kommt, der Balken sinkt herab, jetzt schon gelb, bald rot, durchpulst mich der Wunsch nach Wichtigkeitsäußerung.

Warm der Tag, diesmal Sonnenscheindauer zwölf Stunden, so weit die Füße tragen, hinaus – ist ein zielloses Einherschreiten, eher wie so ein Besucher, fehlte nur der Führer, die besten Tipps, jetzt um die Ecke und dann steht sie da. Oben die Plaza, da laufen dann die Leute rum, bewundern das Bauwerk und die Aussicht, ein bisschen wie damals bei den Weltausstellungen, Chrystal Palace und das Wundergeschütz von Krupp, jetzt aber alles friedlich, von der Kapitalzurschaustellung einmal abgesehen.

Der Pöbel geht seinen Verlustierungen nach, während die Wichtigen glauben, sie wären wichtig. Aber da bin ich mittlerweile fehlertolerant; denn was sollte schon schlimmeres passieren als der Tod. Dann wieder runter, Parkhaustour, the rich peoples cars, alle gewaschen und gebohnert, teuer teuer, keine einzige Rostlaube. Überwachungskameras lassen mich demonstrativ laut niesen – dieser offensichtliche Allergiker kann kein offensichtlicher Autodieb sein. Denke ich jedenfalls. Wir haben es doch gut, wir können uns unsere Pyramiden wenigstens von innen ansehen.

Draußen ist es heiß, es sommert. Das Publikum flaniert, die Hafenstadt altert endlich ein wenig, in 50 Jahren mag man sich dort wohlfühlen – Preis für ein Hefeweizen: 3,50€. Meine Knochen härten spürbar aus, während ich den Menschen folge, „Machen wir bald Rast?“, Streuselschneckenhimmel und dabei sich in den Schatten verkrümeln, der 8-jährige stürzt beinahe von der Kunst, die Mutter weiß ihn zu halten. Menschen sprechen in ihre Kommunikationsgeräte, auf dem Platz der deutschen Einheit, ein Fehler wenn sie mich fragen, steht der Mauerrest, Symbolik mit dem Vorschlaghammer – er ist jedoch nicht korrekt ausgerichtet und der Teil, der eigentlich der DDR zugewandt, ist jetzt vom Westen aus einsehbar – macht nix, mittlerweile Graffitti vorne und hinten druff.

Sprung von Schatten zu Schatten, der Schritt ist sicher, die Steigeisen abgeschüttelt, es kennt sich aus hier, die Gemsen stürzen auch nicht permanent ab, vorbei an Häusern mit Namen und an dem Tropenhelminstitut Brendler – da decke ich mich ein, wenn ich als Rentner die Kolonien besuchen gehe. Dann sind es nur noch, nebenan, in Laufweite und die übergroße Tasse füllt ich mit heißer Flüssigkeit – „wirklich so heiß?“ – ja, könnte heißer sein, aber dann implodiert die Milch, ab 80° Celsius und das entspricht nicht mehr dem Standard, dann gibt’s Schimpfe und der Kunde beklagt, verklagt und besser man lässt es. Hinter dem Rathaus, ich schrieb schon darüber, geht die Sonne unter, schreibe ich jetzt, stimmt zwar nicht, geht gar nicht, aber jetzt war es mal so. Gleich betrete ich wieder die Maschine, die mich nach Hause bringt.

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