Lufthafen

Der Führerbalkon – von der Empore aus gestattet unws Ronald McDonald einen Blick auf die nomadisch mobilen Untertanen, gewiß, häufig auch Freizeit und Entspannung, aber auch dort wird Geld umgesetzt. Eine kühne Konstruktion, wie überall eigentlich, aber hier jetzt auch und ein verlorener Ballon hat sich hoch oben in der gespannten kühnen Deckenkonstruktion verkeilt, schon lange her, sehe ihn seit Jahren dort, vielleicht aber auch ein anderer, das macht auch nichts. Die Sonne wandert, der Fußboden zeichnet ihren Weg auf, hier feminin, ansonsten überall anders, Englisch fällt sowieso raus. Wo würde man am Besten eine Bombe verstecken, denke ich mir, denke ohnehin immer so Sachen, versuche positiver zu sein und beobachte die Menschen, die mit ihrem Bewegungsdrang das Klima verschlechtern.
Die Barclaycard-Menschen versuchen Barclaycards zu verkaufen, ihr Kostüm figurbetont und er lächelt symphatisch – aber richtig anbeißen will da niemand, bleiben alleine mit ihrem Lächeln, nicht das ich sie bemitleide, aber , ach, ich weiß es ja auch nicht. Zwei alte Frauen versuchen mit ihren Walking-Sticks (heißt das so?) durch die Sicherheitskontrolle, sehen unbedarft, feix mir was, geht bestimmt wegen Sicherheit, also könnte ja auch scharfe, vergiftete Spitzen unter dem Gummiknubbel stecken, also so eine Stewardess ist doch schnell durchbohrt und dann haben wir den Salat, aber Überraschung!, die Damen sind durch, haben es geschafft, da nützt dann auch keine Terrorabwehr und Heimatschutzbehörde, diese islamisierten Omis aus Bahrenfeld werden nun Märtyrerinnen des Propheten. Wird mit Sicherheit Auswirkungen auf mein Befinden beim nächsten Flug haben.

Weiter im Text. Die Klimaanlage sorgt für eine angenehme Hallenbadtemperatur, das Geräusch des Gemurmels lässt einen einschlafen, weißes Rauschen oder Wellenschlag – Bächlein geht auch, aber hier ist es halt das Gemurmele. Auf dem Großbildschirm gegenüber gibt es junge Menschen zu sehen, die sich glücklich in die Augen schauen, während seine Hand die Waren des duty free streicheln. So ist die Jugend, haben sich bestimmt bei Tinder, einmal in die falsche Richtung gestrichen und dann war es doch gar nicht so schlecht, sind aber nur Darsteller, Bewerber des Lufthafen, privat kannten die sich vielleicht 30 Minuten lang. Jetzt kommen die Nachrichten. Und dann natürlich die neongelben Warnwestenträger, hier ein Schwarzer, der kettet die Gepäckwagen aneinander, zieht sie wasweißichwohin, weg, Backstage. Ist das wichtig, daß ich „ein Schwarzer“ schreibe? Neger schrieb ich schon in einem anderen Text; aber alles nur Provokation, ich kenne viele von denen, die sind alle nett! Noch mehr Provokation, aber jetzt ermüdet es mich und eine relativierende Erläuterung wird es nicht geben, denk‘ dir selbst eine aus.

Hoffentlich erlebe ich es nicht mehr, daß die Lufthäfen genauso verranzt aussehen werden, wie die Bahnstationen. Der Zauber des Aufenthaltes liegt in der sauberen Feierlichkeit, ein bißchen wie in der Schweiz, wobei dann der nicht mehr zu toppende Superlativ ein Lufthafen in der Schweiz wäre, was er aber nicht ist, vielmehr normalisiert es sich auf dem Niveau. Meistens jedenfalls. Linz in Österreich hat auch einen Lufthafen, verdient ihn aber nicht. Der ist so tödlich in seiner Ausstrahlung, das hat selbst Linz in Österreich nicht verdient.

Ein Rudel Emirates Stewardessen kommt vorbei gerauscht und verstecken sich unterhalb des Führerbalkons, der Führer schaut von seiner Schreibmaschine auf, kann sie aber nicht mehr erblicken, wendet sich ab, wo sind die denn?, tauchen partout nicht mehr auf. In so einer Stimmung fällt man in die Tscheslowakei ein.

Einen Balkon tiefer werden 500 Euroscheine akzeptiert. Bestimmt Fahrgäste der weißen Stretchlimousine, die vor dem Eingang, direkt hinter der Drehtüre, immer wieder drücken Menschen an den Glasscheiben rum und dann bleibt das Dingens stehen. Barclaycardfrau wippt mit ihrem Pferdeschwanz, das sieht dynamisch aus. Das sehr krank aussehende Kind wird von zwei üppigen Matronen die Rolltreppe hoch geleitet. Witze drüber zu machen verbietet sich, ist halt das Leiden und dann auch noch ein Kind, soll doch leben, hier wird ja alles dafür getan, hoffentlich, denkt man, aber dann denkt man doch nicht so weit, denkt nicht an die Kinder im Müll und die armen verhungernden Kinder, meistens so woanders. Auf den Schreck einen BigMac.
Jetzt soll es mir reichen, die Bilder gleichen sich ohnehin bei jedem Besuch, das wirklich angenehme ist die Geräuschkulisse, die ich anhängen werde.

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