Wettbewerb

Jetzt sitzt er hier, direkt aus der Kälte, rein in die Stube, Kakao gemacht, zuerst sollte es ja das Papier werden, mit Stift, retro, die jungen Leute mögen die Vorstellung, aber dann doch in das Gerät geschrieben. Auf seinen Streifzügen, immer bestätigen lassen, tut gut die Bestätigung, ist ja eigentlich egal, Bedeutung gibt’s halt nicht, aber er sucht, online, die Gruppen, facebook, twitter, Blog, überall rumlungern, vielleicht wird man ja wahrgenommen, eher nicht, er ist der Einzige der seinen Blog besucht, außer dem aus USA, der sich verirrt hat; so ganz ohne Bestätigung, ohne Bedeutung kommt keiner aus, suchen wir alle, tolles Auto, super Haus, prima Sex jeden Tag, natürlich, alle Stellungen, Super Hecht, Wohltäter und Star oder: Gott gibt dir Sinn – erhört dich dann, gratis, brauchste nur feste zu glauben. Dann die Offenbarung – der Wettbewerb – schreib, sprich, bis Mitternacht, die gequälte Seele springt an, darauf, ansonsten immernur das Hamsterrad, bin doch auch ein Mensch mit Gefühlen, aber nein, sonst immernur das Hamsterrad, erschaffe Mehrwert!

Aber alle suchen, nicht nur er, wollen mehr sein, sindse aber nicht, aber der Gedanken ist schön, wärmt, also er schreibt, es tackert, die Tastatur ist schlecht, aber macht nix, hauptsache kein Fantasy, geistige Republikflucht, Schießbefehl, kommt nicht in die Tüte – was ist, das schreibt er, einfach die Worte aneinander, viele Kommas die eigentlich Kommata, aber dann auch Auslassungen – er ist eitel, weiß er, kratzt sich den Bart und lässt die Gedanken, immer wieder, kann ja alles sein, nur nicht primitiv, das mit der Fantasy hatten wir schon, alle sollen ihn ob seiner Intelligenz lieben, aber nicht so doll, eher mit Understatement.

Grübelt er, hat er schon vorm Spaziergang, nachgedacht, kann ja nicht sein, daß es, besser wäre doch, ist bestimmt noch niemand drauf gekommen – kurzer Anruf beim guten Freund, hör mal, Wettbewerb, Salzburg, du schreibst, du sprichst, Menschen hören, alles gut. Geht nicht, keine Zeit, die Frau weg, die Kinder da und im Kino wartet Knopf Komma Jim. Macht nix, gehabe dich, wollte ja auch den Knopf, bisher nicht dazu gekommen. Servus. Hat er nicht gesagt, aber Österreich, ich bitte sie, das weiß man doch, wenigstens das.

Jetzt denkt er zurück. War schonmal dort, Mozart, Festung und sowas, beim letzten Mal überall diese Bettler, hat man ja nichts dagegen, gegen die Rumänen, sind ja auch Menschen, sollen sich nur benehmen, aber soviele, war früher bestimmt nicht so. Spätestens hier biedert er sich an, die hören mich ja, wahrscheinlich, wenn die Technik nicht nicht mitspielt, also die hören das, diese Menschen und sitzen dann ja dort, in Echt und dann faselt der von den Rumänen, die vielleicht keine sind, aber Zigeuner sagt man auch nicht mehr, ziehende Gauner, ob das jetzt wieder der Wahrheit entspricht, aber ein Anbiedern ist es schon. Spätestens hier droht die Endlosschleife, da muß er dann ganz schnell raus und denkt an was anderes.

Die Idee, den Text für den Wettbewerb selber zum Gegenstand des Textes zu machen, gefällt ihm so sehr, daß er sein Vorhaben in die Tat umsetzt.

Schöner Satz, nicht zerhackt, kein Komma, Idee lässt ihn juchzen, freut sich nen Keks und isst ihn. Jetzt steigt es wieder, Sorgenhochwasser, die kennen den Trick alle schon, gähnen, bei Copperfield war es schon ein Graus, aber hier? Und die Länge? Wahrscheinlich noch nicht mal drei Minuten, dabei hat man doch zehn, natürlich sollte man es nicht ausschöpfen, denkt er, Aufmerksamkeitsspanne, dann holen alle ihre Smartphones raus, Gay-Romeo, schnell für später, hat er so schon gesehen, woanders, war gnadenlos und dann gab es müden Applaus, der Redner wankte, wirkte müde, bestimmt deprimiert.

Die Zeit genommen, weiß um die Länge, irgendwas mit vier, das Tempo stimmt, draußen der Sturm macht auch Dampf, Knopf Komma Jim sowieso und aufgenommen muß ja auch noch werden, plus: Einladung, Beisammensein, Grillritual, drinnen, dem E-Grill sei Dank und schließlich hat man ja auch noch ein Privatleben, auch als Fleischfresser, als Bedeutungsjunkie. Ein bisserl gehetzt wirkt er, ist nicht hier, ist nicht dort, wahrscheinlich unentschlossen, ist es genug?, kann er ablassen, senden, vergessen? Fire and forget. Sollen doch zusehen, also hören.

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