In großer Not

Die Physis stimmt. Eingermaßen. Mit 20 ist man auf dem Höhepunkt, dem Zenith, ok, vorzeitiger Samenerguß, dafür ist man im fortgeschrittenen Alter dann impotent, jetzt nicht ich, sondern andere, via Viagra steht es dann wieder. Wie geht’s, wie steht’s. Frauen haben das Problem nicht, Hinhaltetaktik, ich bin so froh, daß ich ein Mädchen bin.

Aber die Psyche. Das Innenleben. Das konzentrierte Dasein fällt schwer, alles fällt auseinander, objektiv, keine verdrehte Wahrnehmung der Welt, Klimawandel, auch das streiten die Rechten ab, inklusive ihrer inkludierten Nazibrut. Noch kann ich das schreiben, aber warte warte nur ein Weilchen, dann holt dich, vorher fliehen, dann biste Flüchtling, kannst nix dafür, wolltest nur in Ruhe dein nichtiges, kleines, unbedeutendes Leben absolvieren, aber die lassen dich nicht, bist zu anders, Haut und Haar, Hirn und Tat, Stumpf und Stiel und dann ist es vorbei.

Man stelle sich die Stasi vor mit der Technik von heute, selbstfahrende Bluthunde, wie bei Fahrenheit, obwohl ich mir jetzt nicht ganz sicher bin, ob das im Buch war oder im Computerspiel. Ja, es gab ein Computerspiel, ich war dabei. Der freundliche Mitarbeiter verstand den Begriff ‚free refill‘ nicht. Gab es auch mal beim IKEA und dann kamen irgendwelche Kafferumänen mit Thermoskannen. Hat die Frau an der Kasse gesagt. Wenn ich dort bin, kaufe ich immer ein Stück Mandeltorte. Aber wer kann sich sowas schon erlauben. Nicht ich jetzt, das Ganze steht auf der Kippe und ich will fühlender, denkender Mensch bleiben und kein drangsalierter Sozialfall oder schwachsinniger Stundenklopper für die fetten Geldbeutel noch fetterer Menschen, jetzt finanziell gesprochen, die sind gesünder als man so denkt und haben in der Regel kein Problem mit nichts.

Also, die Warner warnen, alles geht weiter wie vorher und mit Autos, jeder eines, Flugzeugen, Fleischverzicht ist ja auch nicht so das Meine, wäre notwendig, kognitive Dissonanz, die Sonne scheint doch so schön, Angrillen. Wenn die Fluttwellentornadeblizzardkatastrophe New York auslöscht, dann wäre die Aufmerksamkeit gewiss, vielleicht aber auch nur kurz, der Wiederaufbau würde schließlich die Wirtschaft und somit auch dem Arbeitnehmer, das Handwerk sucht doch händeringend, obwohl sie so schlecht bezahlen.

Die leise Hoffnung ist, daß es aufhört, wenn ich schreibe. Wenigstens das Gefühl soll verschwinden, einfach einfach sein, manche Leute sind so, können das, leben, lieben, lachen, sorgenfrei, eigentlich, bis auf die üblichen Sachen, Job, Beziehung, Kredit und die Schwiegereltern, die immer nerven. Es soll einfach Ruhe geben, in Würde altern bei 40 Grad im Schatten in Hamburg. Die Bäckereifachverkäuferin sieht so aus, als würde sie ihr eigenes Sortiment ängstigen.

Jetzt wird die Arme von einen älteren Mann dichtgequatscht. Der hat ein Castrol-Käppi auf und ein kariertes Hemd am Leibe.

Das mobile Kommunikationsgerät in der Hemdtasche zieht mich runter. Es ist Hochsommer im September. In großer Not schrei‘ ich zu dir! Jedoch: es nutzt nichts – niemand wird dich retten, warum auch, alle haben so ihre Probleme und nichtiges Dasein, siehe oben. Jetzt wäre der Zeitpunkt eine textliche Kurve zu kriegen, irgendetwas kluges, interessantes, aber Hauptsache: es muß dich entlasten, jedoch kommt nicht, habe ich nicht dabei und mir auch nichts gedacht. Also dabei. Ausgedacht. Wenn Sie darauf warten sollten Sie fernsehen. Gibt ja genug Kanäle.

Es sind die letzten Jahre der alten Ordnung. Vielleicht Jahrzehnte, aber kein halbes Jahrhundert mehr. Auf keinen Fall. Was dann kommt, weiß keiner, wird garantiert anders, deutlich, Ohnmacht bleibt, es sei denn es ist Zombieapokalypse und du wirst zum Anführer gewählt, weil du so schöne Gedanken hattest in der Vergangenheit. Also, es bleibt die Ohnmacht.

Komisch. Jetzt geht es mir besser. Therapeutisches Schreiben.

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