Taugenichts Diaries

Ich habe nichts zu sagen. Alles was ich sagen kann und wird gegen mich verwendet werden. Also kein Problem, nichts wird mir passieren. Treiben, Triebe und immer wieder Zerstreuung getarnt als Projekt, jetzt mache ich es wirklich. Der Traum, den wir Sklaven alle träumen, Elvis, Pelvis, Übervater, Coca Cola, sacra mater, fickificki alles im TV Sonderpack, Filmarchiv Hollywood. Von allen Seiten steigen die Gerüche auf, ich bewege mich auf internationalem Parkett, an der ganz langen Leine. Werde entsandt und gehorche aufs Wort, mache all die Dinge, die noch nicht von einem Roboter unternommen werden können, oder die der Kunde nicht automatisiert akzeptieren würde. Aber warte nur ein Weilchen, bald schon wird es dir der geringe Preis, das Spardiktat schon noch austreiben.
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Prince is dead

Ein älterer Text, auf medium.com gefunden.

Der Blutzucker ist reguliert, Bratensaft und Grünzeug, aber vor allem Reisehydrate. Nur weil noch genug für alle da ist, gehen wir uns nicht an die Gurgel, erkennen nicht den Niedergang. Warten auf den Knall, keiner bewegt sich, es könnte ja falsch sein. Nehmen Sie bitte JETZT ihre Drogen — machst Du schon? Sehr schön. Durch meine Adern fließt nur Wasser, klar und rein, noch bomben keine Bomber die Wasserwerke weg, nicht hier, woanders lediglich, kann ich aber nicht sehen, hören, spüren, also ist es nicht so schlimm, im Supermarkt vermisst mich der Metzgermeister. Immer wieder nachlesen. Klingt es gut? Nickst du mit dem Kopf? Ab wann beginnt Verantwortung? Muß man Politiker sein oder 120k Pfund Sterling verdienen? Taugen die Heiligen als Vorbild, auch wenn man nicht gläubig ist? Franziskus? Entsagung muß ich entsagen. Die letzte Zeit nur Barock, Klavierkonzerte und Bach — Prince darf jetzt mal ran. Erste Partyerfahrung, Vollhorst, expressives Rumgetanze, dabei wollten alle nur Duran Duran hören. Jugendheim-Assis. Die Hände unterm Pulli, zwei Finger im Mädchen und ich konnte nur durch meine Schauspielkunst begeistern. Wo sind diese Leute alle gelandet? Gohonzon, Tina Turner, name dropping buddhism, aber ich war dabei, alles ist Rückschau, Erinnerung. Hatte ich das nicht schon mal irgendwo erwähnt? Renne rum wie Yoda, dafür kann ich den Moonwalk. Liege im Bett und depressiere vor mich herum, dabei scheint doch die Sonne, oder? Kiss mag ich nicht mehr hören, habe ich jetzt mal geskipped. Vielleicht verkennen wir auch die Situation und es wird sich alles richten. Scharf. [time passes] Geänderte Situation, geräderte Situation — mein Patronus ist der Habicht — könnte ich doch nur darin aufgehen und untergehen, vergehen — wie in den alten Zeiten; dafür jetzt in der Lage sofort einen Kredit aufzunehmen. Schlechter Tausch. Langsam dreht sich der Planet um sich selbst, so daß es wieder dunkler wird. Immernoch geht die Sonne unter, sagen sie, überall. Darf ich eigentlich so sitzen? Mehr wissen. Morgen früh, aber Pausenbrote einpacken. Müdigkeit als Hauptcharakterzug. Wie sehr wir uns abstrampeln und bemühen, nur damit wir in die dritte Klasse einsteigen dürfen, auf den Obstkisten neben den Hühnern sitzen und auf den Schaffner warten. Es gibt diese verrückten Geschichten. Man sagt, es gäbe Menschen, die immer Erste Klasse nutzen. Die kennen es gar nicht anders, Bedienung am Platz, heiße Tücher und einen Champagner. Doch ich habe sie gesehen, mit eigenen Augen — die sitzen da auf dem Dach, ab und an purzelt einer runter, sie klammern sich aneinander und den Zug, vielleicht sind sie richtige Menschen, aber ich bin mir nicht sicher. Fakt ist, daß sie immer öfter auftauchen. Die Kirchen rufen aber zur Solidarität auf. Was rufen denn die Synagogen und Moscheen? Sie sollten alle die Klappe halten, Hirnvergifter. Manchmal muß man aber auch einmal nett zu sich selbst, Fünfe gerade und Gott einen guten Mann. Bald kommt wieder Leben in die Bude — nur richtige Halbgevierte kann mein Textprogramm nicht abbilden — dann bin ich nicht mehr einsam. Jetzt bist du an der Reihe, Maske abnehmen, Visier hochklappen, offenen Auges, erhobenen Hauptes — und sich dann aber nicht beschweren, weil beschwerlich und ohne Bedeutung. Lass es mich einfach wissen, zeig mir deins, ich werde meinen Finger in deine Wundmale legen, obwohl ich nicht Thomas heiße. Und nachbohren.

Kapitale der Welt

War dort, muß nicht wieder hin. Mußte aber, jetzt war Geld vorhanden, Zeit erfragt und Gelegenheit günstig. Zweidimensionale Ansichten, über Jahre damit gefüttert worden, künstliche Kultur, wahrscheinlich strategisch übergestülpt, auch mit guten Vorsätzen, denn der Russ stand ja vor der Türe, steht er ja irgendwie immernoch, aber damals mußte man ihm das Glas Coke und das Eigenheim und das Automobil doch entgegenhalten, damit er sich schlecht und unterentwickelt vorkäme, was schlußendlich ja auch irgendwie funktioniert hat. All die ganze Musik, der Bub hört, aber er versteht noch nicht, so daß die erste Frage in der Grundschule lautet: „Wann lernen wir Englisch?“. Also so tief im Gedärm sitzend, die Vorstellungen, die Großartigkeit in Beton und Stahl und die Beastie Boys und überhaupt: also, auf nach Neu-Amsterdam!

Wenn man ins Schlaraffenland (Lulu!) kommen möchte, muß man zuerst sein Hirn und seinen Biorhythmus in Brei verwandeln. Acht Stunden in einer abgedunkelten Röhre, über den Atlantik, Bordbespaßung und merkwürdiges Essen und dann schlägt man irgendwann auf; außer den Verkehrsschildern ist alles gleich, denkt Mann. Sieht aus, es gibt Luft und die Menschen gehen auch nicht auf dem Kopf. Aber merke! es ist ja auch erst New Jersey und das ist ja  bekanntermaßen not the real deal, aber dafür eine kostengünstige Variante, um Herberge zu finden, bevor man sich hintraut, dort, wo schon die Ghostbusters wirkten.

Einrichtung, Basislager an der 6th street, Proviant und Begutachtung der Nachbarschaft (Gangs?), Schlaf, schließlich der neue Tag, das Frühstück der Champions hat 800 000 Kalorien, alles so süß hier, frohgemut und unschuldig den ÖPNV nutzen, die Bundesstaatsgrenzen subterran übertretend, Ausstieg 33te Straße und dann der Schlag mit dem Chinatown-Wok: es ist alles da, nur in Echt, 3D, die Millionen Menschen laufen extra nur für dich vorbei, die gelben Taxis hupen, umringt von Gebäuden, welche dir Nackenstarre bereiten, hier ist die Zentralperspektive schnell erlernt. An der Seite ein Zaun, an welchem sich bestimmt schon andere festgehalten haben, weil so überwältigend, alles, hier und nur mit schweren Schritten die Fortbewegung, Neukalibrierung der Verhältnismäßigkeiten. Zum Glück bewege ich mich in einem autonomen Fahrzeug Marke Fleischsack, die Beine laufen, Schritt für Schritt sich dem Tempo der Eingeborenen anpassend, Kopf kommt nicht mit und muß ersteinmal einparken, marmorgetäfelte Wände in der public library betrachten, ein paar Minuten, bloß nicht die vielen umherirrenden Menschen wahrnehmen, nur die Kühle und die Adern im Stein, das ist fein.

Dann ist es aber auch gut, endlich ist ein Voranschreiten möglich und Tag um Tag werden nun Kilometer absolviert, zu Fuß, alle möglichen Winkel betrachtet, die üblichen Orte ignoriert, sightseeing ist was für Touristen und das will man nicht sein, ist aber auch egal, weil man ohnehin daran vorbeiläuft, zwangsweise, denn das Bekannte steht hier an jeder Ecke rum und je mehr Filme man gesehen hat, desto bekannter Terrain und Bezeichnungen. Also ein großer Haken dran – die Orte gibt es wirklich und in Echt und es sind einfach Orte, da kann man stehen und schauen und wieder gehen.

Interessanter: anders als zuhause, viel öfter offen zutagetretend, ist der Geruch von gerauchtem Gras; immer ist kein Raucher auszumachen, es sind ja auch einfach zuviele Menschen auf den Beinen, in der crowd, in der Masse, aber gäbe es ein Passiv-High-werden, dann wäre der Lachflash und der Heißhunger ständiger Begleiter. So aber nur Naserümpfen. Und überhaupt die Drogen: es wird gewarnt an jeder Ecke, plakativ und auch telegen, aber nicht ob Verbotenem, das ja der finstere Mexikaner einschleppt , sondern vor denen, welche der Arzt verschreibt. Sei wachsam, denn sonst wirst du  ein Opiateopfer und bekanntermaßen gibt es davon viele im land of the free; wollen die Pillenhersteller einen eigentlich wirklich gesund sehen? Müssen doch auch von irgendwas leben.

Der Afro-Amerikaner an sich kann nicht gut tanzen, aber er kann scheinbar im Niedriglohnsektor der Servicedienstleistungen allgegenwärtig sein. Selten steht der weiße Mann an den Supermarktkassen, fungiert als lebendige Infosäule am Fahrkartenautomat oder rennt mit einer Weste namens ’security‘ herum. Der schwarze Mann jedoch gesteht, daß er zwei Jobs benötigt. Ein Schelm, wer da an das Schulsystem denkt.

Nach dem vielen Laufen und Schauen, nach Mittag, nachdem man dem Trump seinem Turm vor die Türe gespuckt und mit Passanten die klimawandelbedingte Höhe des Hudson Flußes besprochen hat, sehnt er sich nach Kaffee und Kuchen, eilens in den Laden geeilt, bekommt immerdar nur Pappbecher mit Plastikdeckel. Immer. Alle. Nicht nur hier. It’s Einweg or the highway. Interpolierend weitergedacht, sind die Müllberge der Metropole gigantisch. Darauf ein Glas gechlorten Trinkwassers! Wenn es schon der 1st world nicht genug Mikroplastik gibt, wie ist es dann wohl in Manila oder Kinshasa (einfach zwei Dörfer herausgegriffen, habe doch auch keine Ahnung, wie die es handhaben). Der Passant wird wohl noch nassere Füße bekommen, demnächst. Und es war weise, den Park auf die Stelzen der Hochbahn zu pflanzen.

Ich bin ein weißer Mann und kenne das auch nicht anders. Neu war, einmal der Einzige weit und breit zu sein. Da hilft es auch nicht, dass sich die Freimaurer Haarlems zu einem Gruppenfoto auf den Kirchentreppen positionieren und mir freundlich zunicken, während man die Aufnahme durch Vorbeilaufen ruiniert. Das Haus der Tenenbaums musste aber sein.

Der Central Park ist groß und grün.

Der Zug rollt

und ich stehe noch auf dem Bahngleis. Wenn ich jetzt nicht Gas gebe, bleibe ich für immer in diesem Kaff hängen, Brandenburg oder Belgien, entweder zappenduster oder gelb-orange Trägheitsausleuchtung in Vierteln, wo entweder Nazis oder Muslimfanatiker ihre Messer wetzen. Nur durch massive Drogenaufnahme auszuhalten.

Der Zug rollt.

Nicht dass ich eine Ahnung habe, wie es in diesem Scheißzug aussieht, gibt es Service im Restaurant, einen Sandwichautomaten oder schlicht nix? Aber Bewegung ist ein Wert an sich. Die Städte, die in der Dunkelheit vorbeifliegen, der Hall in den Bergen, links und rechts knirscht der Schnee, sabernd aufwachen und, siehe da, das Meer! Schlimme walisische Städte.
Nur dasitzen, Stulle, angenehme Begleitung womöglich, gemeinsam schweigen, sterben, kommt kein Bestatter, nix modert, einfach weiterrollen ohne Hoffnung auf morgen, ist ja auch nur ein Tag.
Ich brauche nicht mehr zu reden, alle Wörter sind schon verpufft, Bedeutungspupse; alle beißen ins Gras, da ist der Zeitpunkt auch egal.
Noch kann ich dem verfickten Zug hinterherlaufen.

Schwarzer Lamborghini parkt und alle gaffen. Packen ihre Kameras aus. Eine Wespe fliegt über Köpfe hinweg. Hier sollte gehuldigt werden. Menschliche Idiotie in a nutshell.

Apocalypse now

Es ist die Gesprächssituation, man möchte ja auch nicht die gute Laune verderben, habe das Thema aber auch nicht auf die Tapete gebracht und nun steht sie im Raum und wir kömmen nicht dran vorbei: die Apokalypse. Natürlich ein doofer Bibelbegriff, inklusive der Reiter, man könnte es doch auch Weltuntergang nennen, aber das wäre ja auch wieder nicht so ganz korrekt. Die Welt wird nicht aufhören zu existieren und schon gar nicht kann sie in einem unbegrenzten Universum irgendwo unter irgendetwas anderem sein. Richtiger: die Vernichtung der Lebensgrundlage der Menschen, durch den Menschen. Ja, alles muß man selber machen. Ich habe nicht damit angefangen, Ehrenwort! Es waren die Kinder, nicht die eigenen, die kennen das alles schon und können sich auch keinen Reim darauf machen, leben aber trotzdem noch, sondern die der Gesprächspartner. Die haben dann auch Apokalypse dazu gesagt.

Ratlosigkeit in den Augen, auch Angst. Was soll man den Kindern denn noch raten, ist ja auch so schon schwer genug, ohne Dystopia: nach dem Abitur reiben sich doch alle jungen Menschen die Augen, begreifen nur zögerlich, daß die olle Schule Vergangenheit und dann: erstmal gespenstische Ruhe. Minijob, irgendwo, Party machen, nachdenken wohin und woher, aber oftmals keinen Plan. Wie auch? Die Eltern fühlen sich genötigt, Richtungen vorzuschlagen, mach doch was, sonst arbeitest du auch noch in zwei Jahren in der Pommesbude, aber auch nicht mit Nachdruck (so wie früher), weil man es selber ja auch schon lange nicht mehr weiß, sondern zögerlich. Und dann das. Die Kinder sagen ‚Apokalypse‘ und meinen es auch so.

Was hat es alles noch für einen Sinn, wenn das Klima uns demnächst massiv zusetzt, die Nazis aus ihren Löchern kriechen oder der Muselmann, der alles kann? Wenn Wasser knapp, aber Plastik in selbigem im Überfluss, wenn auch mikroskopisch klein, wenn die ganze Idee von Dasein auseinanderfällt und die Alten ihrer Pflicht nicht nachkommen, wenigstens ein bisschen doller, jedoch droht die Wirtschaft, der Profit beschwert sich, also besser nichts machen, lieber sehen, was die Anderen so versuchen.

Bestimmt ist alles nicht so schlimm, aber dann doch vielleicht, sagt sie. Ich möchte trösten, das Leben ist gerade so schön sonnig und harmonisch, aber ich finde nicht die richtigen Worte. Kein Wunder, habe ich sie doch schon vor längerer Zeit aus dem Wortschatz verbannt. Ehrlich hätte gesagt werden müssen: wir wissen nicht, wie es aussehen wird, aber wir haben es vermurkst und jetzt entgleitet es uns und es wird nicht mehr so schön konsumkuschelig, immer besser und der Freizeitpark der unbegrenzten Möglichkeiten hat sowieso seine Pforten verschlossen. So bleiben Micky und Goofy unter sich. Das Wasser steigt (aber nur das salzige), der Weltenwald brennt und Nationen flüchten vor einer Zukunft als äquatoriale Brathähnchen. Derweil denken ihre Kinder, sagt sie, darüber nach Pfeil und Bogen zu bauen, damit man sich verteidigen kann. Bei Donald zuhause könnte man wenigstens noch auf einen Colt sparen. Aber wohin zielen?

Frühlingsgefühle

Das Leben ist eine durch und durch niederschmetternde Angelegenheit. Wir werden als nackte, absolut hilflose Hosenscheisser geboren, obwohl wir noch gar keine Hose, aber recht bald schon eine Designer-, falls sich das unsere Erzeuger leisten können. Direkt danach quatschen uns unsere Eltern voll, drücken Worte in uns hinein, natürlich müssen sie das, sonst kann Baby die Straße vom Automobil nicht unterscheiden, dann aber unweigerlich das Bewusstsein, wir in unserer Haut, du in deiner, Umweltschutz, Selbstoptimierung. Kaum angekommen wachsen die Titten, in den Gonaden rumort es, man rennt los gegen Wände, zerschlägt Scheiben, weiß nichts und vor allem nicht warum, trinkt Alkohol und fällt in den Schminktopf. Es kommt die lange Dunkelheit, die Ketten rasseln und der Glaube versetzt keinen verdammten Maulwurfshügel. Die Glücklichsten glauben an eine Bestimmung, im Job zumeist, andere woanders; wechselnde Geschlechtspartner und die Brigitte Diät als Schutzpatrone der Ratlosigkeit. Ausbeuten oder ausgebeutet werden. Dann kommt die Besinnung, vielleicht oder man sucht das Heil in der Sucht, abschalten und bloß nicht anhalten, sonst kommen andere und überholen. Verfall setzt ein, die Ernte sollte eingefahren werden, doch Kraut und Rüben in Scherben liegen.