Wie im Kino

Von da kennt man es, überrascht dort niemanden so wirklich, die Leute alle von Sinnen, nur der Held greift ein und zu, bringt um und zur Vernunft, zum Schluß fragen sich dann die Zuschauer, ob das mit der Alien-Invasion, der Zombieapokalypse oder dem Krieg wirklich realistisch und auch das Verhalten der Charaktere nachvollziehbar war. Im Film. Dann verlässt man das Sofa oder das Kino und befindet sich in der Obhut der Gewissheiten, schlendert zur Zahnbürste oder zum Fahrzeug, damit man sich morgen wieder über den bekloppten Chef aufregen kann, trotzdem erträgt es, weil ist ja gute Kohle.

Jetzt ganz real, ohne Drehbuch unsere Situation – böser Virus, Quarantäne, Pandemie, die Völkergemeinschaft lässt die Rolladen runter und die Hosen oben, denn auch die Bordelle sind geschlossen. Welcher Schaden der Wirtschaft entsteht ist nicht vorherzusagen, aber erstmal schauen alle dumm aus der Wäsche, denn man mag es nicht glauben. Lieber nochmal ins Restaurant, obwohl klar ist, dass man die Infektionsmaschine ist. Kann doch alles nicht so schlimm sein, ist bestimmt nur Panik und ich doch nicht.

Aber da ist er nunmal, der Gevatter, the grim reaper, der Sensenmann, der alles kann (und jeden) und vor dem fürchtet sich das gemeine Menschlein. Ist ja auch erschreckend, das Ende der eigenen Illusion, man hat sie doch so lieb gewonnen, sie ist gehegt und gepflegt von Kultur, Religion (oder auch der Nicht-Religion) und der Wirtschaft und es kann doch nicht wahr sein, dass dieses kleinste, winzigste Ding Dir den Hahn zudreht, den Hals abschnürt und der Odem seinen Geist aushaucht. Sterben ja, bloß nicht jetzt und ich und von daher lieber noch mal auf ein Bier in den Stadtpark.

Dummerweise wird es fast alle erwischen, Horden krank und ein paar Unglückliche beißen ins Gras. Damit einen die Tränen nicht übermannen oder überfrauen, Toilettenpapier auf Halde gelegt. Einzelhändler greifen ein und bestimmen „nur eine Rolle pro Kunde“. Im Hintergrund zerlegt sich das Alte und das Neue ist noch ne Kaulquappe. The thing from the swamp.

 

 

Wenn alles gut geht…

Wenn alles gut geht, dann kommst du raus, es ist nicht zu kalt oder zu heiß, dann kein Feuer oder ein Ss-Mann, der dich solange mit dem Kopf gegen einen Pfeiler schlägt oder eine Wand, bist du wieder gehst. Wenn alles gut geht, freut sich jemand über deine Ankunft und spült dich nicht das Klo runter. Es geht gut, wenn du nicht schon nach einer Substanz abhängig bist, ohne vorher den Spaß gehabt zu haben. Toll, wenn dich jemand nicht mit Cheerios ernährt, wenn er dich überhaupt ernährt, dich nicht in deiner Scheiße liegen lässt.

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Taugenichts Diaries

Ich habe nichts zu sagen. Alles was ich sagen kann und wird gegen mich verwendet werden. Also kein Problem, nichts wird mir passieren. Treiben, Triebe und immer wieder Zerstreuung getarnt als Projekt, jetzt mache ich es wirklich. Der Traum, den wir Sklaven alle träumen, Elvis, Pelvis, Übervater, Coca Cola, sacra mater, fickificki alles im TV Sonderpack, Filmarchiv Hollywood. Von allen Seiten steigen die Gerüche auf, ich bewege mich auf internationalem Parkett, an der ganz langen Leine. Werde entsandt und gehorche aufs Wort, mache all die Dinge, die noch nicht von einem Roboter unternommen werden können, oder die der Kunde nicht automatisiert akzeptieren würde. Aber warte nur ein Weilchen, bald schon wird es dir der geringe Preis, das Spardiktat schon noch austreiben.
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Prince is dead

Ein älterer Text, auf medium.com gefunden.

Der Blutzucker ist reguliert, Bratensaft und Grünzeug, aber vor allem Reisehydrate. Nur weil noch genug für alle da ist, gehen wir uns nicht an die Gurgel, erkennen nicht den Niedergang. Warten auf den Knall, keiner bewegt sich, es könnte ja falsch sein. Nehmen Sie bitte JETZT ihre Drogen — machst Du schon? Sehr schön. Durch meine Adern fließt nur Wasser, klar und rein, noch bomben keine Bomber die Wasserwerke weg, nicht hier, woanders lediglich, kann ich aber nicht sehen, hören, spüren, also ist es nicht so schlimm, im Supermarkt vermisst mich der Metzgermeister.

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Kapitale der Welt

War dort, muß nicht wieder hin. Mußte aber, jetzt war Geld vorhanden, Zeit erfragt und Gelegenheit günstig. Zweidimensionale Ansichten, über Jahre damit gefüttert worden, künstliche Kultur, wahrscheinlich strategisch übergestülpt, auch mit guten Vorsätzen, denn der Russ stand ja vor der Türe, steht er ja irgendwie immernoch, aber damals mußte man ihm das Glas Coke und das Eigenheim und das Automobil doch entgegenhalten, damit er sich schlecht und unterentwickelt vorkäme, was schlußendlich ja auch irgendwie funktioniert hat. All die ganze Musik, der Bub hört, aber er versteht noch nicht, so daß die erste Frage in der Grundschule lautet: „Wann lernen wir Englisch?“. Also so tief im Gedärm sitzend, die Vorstellungen, die Großartigkeit in Beton und Stahl und die Beastie Boys und überhaupt: also, auf nach Neu-Amsterdam!

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Der Zug rollt

und ich stehe noch auf dem Bahngleis. Wenn ich jetzt nicht Gas gebe, bleibe ich für immer in diesem Kaff hängen, Brandenburg oder Belgien, entweder zappenduster oder gelb-orange Trägheitsausleuchtung in Vierteln, wo entweder Nazis oder Muslimfanatiker ihre Messer wetzen. Nur durch massive Drogenaufnahme auszuhalten.

Der Zug rollt.

Nicht dass ich eine Ahnung habe, wie es in diesem Scheißzug aussieht, gibt es Service im Restaurant, einen Sandwichautomaten oder schlicht nix? Aber Bewegung ist ein Wert an sich. Die Städte, die in der Dunkelheit vorbeifliegen, der Hall in den Bergen, links und rechts knirscht der Schnee, sabernd aufwachen und, siehe da, das Meer! Schlimme walisische Städte.
Nur dasitzen, Stulle, angenehme Begleitung womöglich, gemeinsam schweigen, sterben, kommt kein Bestatter, nix modert, einfach weiterrollen ohne Hoffnung auf morgen, ist ja auch nur ein Tag.
Ich brauche nicht mehr zu reden, alle Wörter sind schon verpufft, Bedeutungspupse; alle beißen ins Gras, da ist der Zeitpunkt auch egal.
Noch kann ich dem verfickten Zug hinterherlaufen.

Schwarzer Lamborghini parkt und alle gaffen. Packen ihre Kameras aus. Eine Wespe fliegt über Köpfe hinweg. Hier sollte gehuldigt werden. Menschliche Idiotie in a nutshell.

Apocalypse now

Es ist die Gesprächssituation, man möchte ja auch nicht die gute Laune verderben, habe das Thema aber auch nicht auf die Tapete gebracht und nun steht sie im Raum und wir kömmen nicht dran vorbei: die Apokalypse. Natürlich ein doofer Bibelbegriff, inklusive der Reiter, man könnte es doch auch Weltuntergang nennen, aber das wäre ja auch wieder nicht so ganz korrekt. Die Welt wird nicht aufhören zu existieren und schon gar nicht kann sie in einem unbegrenzten Universum irgendwo unter irgendetwas anderem sein. Richtiger: die Vernichtung der Lebensgrundlage der Menschen, durch den Menschen. Ja, alles muß man selber machen. Ich habe nicht damit angefangen, Ehrenwort! Es waren die Kinder, nicht die eigenen, die kennen das alles schon und können sich auch keinen Reim darauf machen, leben aber trotzdem noch, sondern die der Gesprächspartner. Die haben dann auch Apokalypse dazu gesagt.

Ratlosigkeit in den Augen, auch Angst. Was soll man den Kindern denn noch raten, ist ja auch so schon schwer genug, ohne Dystopia: nach dem Abitur reiben sich doch alle jungen Menschen die Augen, begreifen nur zögerlich, daß die olle Schule Vergangenheit und dann: erstmal gespenstische Ruhe. Minijob, irgendwo, Party machen, nachdenken wohin und woher, aber oftmals keinen Plan. Wie auch? Die Eltern fühlen sich genötigt, Richtungen vorzuschlagen, mach doch was, sonst arbeitest du auch noch in zwei Jahren in der Pommesbude, aber auch nicht mit Nachdruck (so wie früher), weil man es selber ja auch schon lange nicht mehr weiß, sondern zögerlich. Und dann das. Die Kinder sagen ‚Apokalypse‘ und meinen es auch so.

Was hat es alles noch für einen Sinn, wenn das Klima uns demnächst massiv zusetzt, die Nazis aus ihren Löchern kriechen oder der Muselmann, der alles kann? Wenn Wasser knapp, aber Plastik in selbigem im Überfluss, wenn auch mikroskopisch klein, wenn die ganze Idee von Dasein auseinanderfällt und die Alten ihrer Pflicht nicht nachkommen, wenigstens ein bisschen doller, jedoch droht die Wirtschaft, der Profit beschwert sich, also besser nichts machen, lieber sehen, was die Anderen so versuchen.

Bestimmt ist alles nicht so schlimm, aber dann doch vielleicht, sagt sie. Ich möchte trösten, das Leben ist gerade so schön sonnig und harmonisch, aber ich finde nicht die richtigen Worte. Kein Wunder, habe ich sie doch schon vor längerer Zeit aus dem Wortschatz verbannt. Ehrlich hätte gesagt werden müssen: wir wissen nicht, wie es aussehen wird, aber wir haben es vermurkst und jetzt entgleitet es uns und es wird nicht mehr so schön konsumkuschelig, immer besser und der Freizeitpark der unbegrenzten Möglichkeiten hat sowieso seine Pforten verschlossen. So bleiben Micky und Goofy unter sich. Das Wasser steigt (aber nur das salzige), der Weltenwald brennt und Nationen flüchten vor einer Zukunft als äquatoriale Brathähnchen. Derweil denken ihre Kinder, sagt sie, darüber nach Pfeil und Bogen zu bauen, damit man sich verteidigen kann. Bei Donald zuhause könnte man wenigstens noch auf einen Colt sparen. Aber wohin zielen?